MIKROPOL

MIKROPOL

Mikropol

Clubdesign ist für mich die Königsdisziplin des Raumdesigns. Kaum ein anderer Bereich vereint so viele Anforderungen: Gestaltung, Raumakustik, die sinnvolle Anordnung von Gastronomie, Bühne, Merchandise, Logistik und Technik, sanitären Einrichtungen, Garderobe und Security – und all das unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sowie unter Einhaltung von Brand- und Schallschutzauflagen in einem öffentlichen Gebäude.

Der Gastraum muss dabei in einem optimalen Verhältnis zu allen anderen Bereichen stehen, während diese wiederum auf die erwartete Besucherzahl ausgelegt sein müssen. Ziel ist immer ein ausgewogenes Gesamtgefüge. Auch kleine Bars oder Garderoben können hervorragend funktionieren, wenn sie klar strukturiert sind. Der Personalschlüssel spielt dabei eine entscheidende Rolle und beeinflusst bereits in der Planungsphase maßgeblich den wirtschaftlichen Erfolg eines Clubs. Umso größer war meine Freude, als ich den Auftrag für die Gestaltung des Mikropol erhielt – und die Möglichkeit, all diese Aspekte aus meiner Perspektive zusammenzuführen.

Da sich das Mikropol in dem traditionsreichen Haus des Metropol befindet, war der Wunsch des Auftraggebers nach einer historischen Anlehnung naheliegend – „wie ein zusätzlicher Saal“. In mir reifte schnell die Idee, eine für Berlin prägende Epoche wieder aufleben zu lassen: die goldenen 20er Jahre.

Da der Raum für eine vielseitige Nutzung vorgesehen ist – von Konzerten über Partys und Lesungen bis hin zu Corporate Events – rückte die Raumakustik früh in den Mittelpunkt des Entwurfs. Mein Ansatz war es, gestalterische und akustische Anforderungen miteinander zu verschmelzen. So verbirgt die Kassettendecke hochwirksame Absorberplatten und fungiert gleichzeitig als dekoratives Element. Auch die gezielt angeordneten Vorhänge aus schwerem Bühnensamt schaffen eine warme, historisch anmutende Atmosphäre und nehmen gleichzeitig akustisch Einfluss auf den Raum.

Die Bühne ist aus technischer Sicht ein kleines Meisterwerk. In ihr sind die Subwoofer integriert. Durch den mehrlagigen, schwimmend verlegten Fußbodenaufbau entstehen dennoch keine Rückkopplungseffekte der Bassfrequenzen auf Instrumente oder Mikrofone – und das bei vergleichsweise geringer Aufbauhöhe.

Die Bar bildet das zentrale Herzstück des Mikropol und erhielt von mir auch gestalterisch die höchste Wertigkeit. Hier ist das Thema der goldenen 20er Jahre am konsequentesten ausgearbeitet. Die hochwertige Ausführung ermöglicht sowohl den regulären Clubbetrieb als auch elegante, anspruchsvolle Veranstaltungen. Kurze Laufwege und eine geschickt platzierte Garderobe sorgen zudem für effiziente Abläufe und gute Arbeitsbedingungen für das Personal.

Der Merchandisestand befindet sich direkt am Eingang, gegenüber der Bühne. Sowohl die Vorhänge als auch die Paneele sind raumakustisch wirksam. Durch ein modulares System mit einklickbaren „Utilities“ für T-Shirts oder Schallplatten kann jeder Künstler seinen Stand individuell anpassen. Das eigentliche Highlight verbirgt sich jedoch hinter Vorhang und Paneelen: Ein über die gesamte Wand laufender Plattenabsorber verhindert, dass die von der Bühne kommenden Basswellen direkt in den Raum zurückreflektiert werden.

Bei der hier gezeigten Lampe handelt es sich um ein Unikat, das ich als Geschenk und Dankeschön für den Auftraggeber entworfen und gefertigt habe. In diesem Objekt spiegelt sich die gesamte Philosophie des Mikropol wider.

Der Eingangsbereich sollte in seiner Gesamtheit einen stimmigen ersten Eindruck vermitteln, ohne dabei plakativ zu wirken. Kronleuchter schieden bewusst aus – nicht nur aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zu einem Lampengeschäft mit genau diesem Schwerpunkt, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen. Stattdessen entschied ich mich für eine Lichtinstallation aus 56 Kristallglasleuchten. Da diese Leuchten nicht mehr produziert werden, entstand ein nicht reproduzierbares Unikat. Die klare Gliederung des Kassenbereichs dient zugleich als Orientierung für die Besucher, während die Holzverkleidung eine warme, wohnliche Hülle schafft.

Die WC-Bereiche sind funktional gestaltet und greifen mit Fliesen, Tapeten und Holzablagen die Atmosphäre des Gastraums auf. Die Waschtische für Damen und Herren sind sich an einer Trennwand gegenüberliegend angeordnet. Durch den Einsatz von Spionagespiegeln ist ein schemenhaftes Wahrnehmen des jeweils anderen Raumes möglich – ein spielerisches Detail, das den Charakter des Ortes weiterführt.